Die US-Bauwirtschaft boomt, der Konjunkturmotor brummt!

Gregor Vogrin | August 28, 2018

Die jahrelang krisengebeutelte Bau- und Immobilienkonjunktur der USA läuft wieder auf Hochtouren. Für europäische Zulieferbetriebe ergeben sich Chancen durch wachsende Anforderungen in den Bereichen Energieeffizienz und Digitalisierung. Auch der Sanierungssektor birgt großes Potenzial. Wer mitmischen will, sollte sich allerdings im Vorhinein mit den spezifischen Techniken und Prozessen in der US Bauwirtschaft vertraut machen.

 

Geschenkt ist noch zu teuer

Erinnern Sie sich noch an den Kultfilm „The Money Pit” (Deutscher Titel: „Geschenkt ist noch zu teuer”) aus dem Jahr 1986? Tom Hanks und seine Freundin schlagen darin ein vermeintliches Schnäppchen, als sie eine malerisch gelegene Villa kaufen. Das Haus entpuppt sich allerdings schnell als Bruchbude als die Badewanne beim Volllaufen in das darunter gelegene Geschoss stürzt. Die Abflussrohre sind undicht, die Elektrik desolat, die Treppen brüchig. Horden von Handwerkern – Tischler, Elektriker, Installateure, Spengler, Dachdecker, Gärtner, uvm. – fahren in ihren Pick-up Trucks vor wie die weißen Retter zu Pferd. Am Ende wird aus der heruntergekommenen Hütte ein Prachtbau, in dem das Paar sich trauen lässt – beispielhaft für ein Bauprojekt mit Happy End sozusagen.

 

Andere Länder, andere Bauverfahren

Seit 1986 hat sich einiges getan im Bausektor der USA. Allerdings haben sich insbesondere bei der Errichtung von Einfamilienhäusern und dem „Home Flipping”, d.h. dem Kauf, Renovierung und Wiederverkauf, die traditionellen US-Bauweisen gehalten. Vorgegangen wird auch heute noch standardmäßig nach dem sogenannten „Framing”, einer Holz- und Riegelbautechnik, und den damit zusammenhängenden Bauprozessen. Je nach Region, Budget, Gebäudeart und -alter beginnt das Bauverfahren mit dem Kellerbau. Entweder wird ein “normaler” Keller ausbetoniert oder ein “Crawl Space”, das ist ein für gewöhnlich 1 bis 1,5 Meter von betonierten Wandfundamenten abgeschlossener tiefer Aushub, gebaut. Anschließend ist es der Job des „Framers”, darauf einen Holz- oder Stahlrahmen zu errichten. Der „Roofer” fertigt danach den Dachstuhl und deckt ihn ab. Jetzt geht es an die Elektrik und das HVAC-System (Heating, Ventilation and Air Conditioning; dt. Heizung, Lüftung, Klimatechnik). Im Anschluss folgt die Isolierung und der „Dry Waller” tritt auf den Plan. Er zieht die Innenwände ein und schließt die Außenwände ab. Der Bodenleger verlegt Parkett, Holzdielen, Fliesen oder Teppich bevor sich die „Painter” und „Sider” an den Feinschliff machen.

Das Bauverfahren ist offensichtlich ein komplexer, arbeitsintensiver Prozess, der aus einer Vielzahl an Teilschritten besteht. Trotzdem ist diese Bauweise günstig und es werden in den USA einstöckige Einfamilienhäuser mit einer Wohnfläche von 350 Quadratmetern inklusive Doppelgarage in sechs bis neun Monaten gebaut. Nicht nur diese sogenannten „Single Family Residences” erfreuen sich dieses Jahr mit +9% eines kräftigen Wachstums. Die gesamte US Bauindustrie floriert derzeit. Auch bei Multi-Family-Homes (+6%), also Mehrparteienobjekten, im kommerziellen (+6%) und institutionellen/öffentlichen Bereich (+6%) wurden starke Zuwächse verzeichnet. Im Bauprozess unterscheidet sich die Errichtung von 2- bis 3-stöckigen Einfamilienhäusern nur geringfügig von Mehrparteienobjekten mit 6 bis 8 Stockwerken. Ab 10 Stockwerken spricht man von Hochhäusern, bei denen Stahlkonstruktionen um einen betonierten Zentralschacht gebaut werden, in dem sich Aufzüge und Stiegenhaus befinden.

 

Trendthema Nachhaltigkeit

Es ist aktuell eine Vielzahl von Trends am US Baumarkt zu beobachten, die stark in Richtung Energieeffizienz gehen. Der Zero-Net-Energy (ZNE) Plan in Kalifornien sieht vor, dass ab 2020 alle neu errichteten Wohnhäuser energieneutral sind. Die Bürogebäude folgen 2030. Wie in vielen anderen Bereichen ist Kalifornien damit auch beim Thema Nachhaltigkeit der Vorreiter innerhalb der USA.

Mit dem Trend hin zu energieeffizientem Bauen rücken für die traditionell stark auf Holzbau ausgerichtete Branche neue Materialien in den Fokus. Das gilt speziell im Zusammenhang mit Fertigteil-Technologien, die in den USA bislang nicht besonders gängig sind. Von Pre-Fab-Wood- und Steel-Framing bis zur Betonform kommen hier eine Vielzahl an Technologien zum Einsatz. Im kommerziellen und industriellen Bereich gewinnen Insulated Metal Panels (IMPs) durch ihre energiesparende Eigenschaft zunehmend an Bedeutung. Auch Holz steht weiterhin hoch im Kurs. Sowohl „Cross Laminated Timber (CLT)” als auch Holz-Hybrid-Technologien, die Bauen mit Holz auf mehr als fünf Stockwerken möglich machen, erlauben es, mithilfe des traditionellen Rohstoffs auf die modernen Bauanforderungen einzugehen.

Wie viele andere US Märkte ist auch der US Bausektor traditionellerweise stark auf Preise fokussiert. Einerseits denkt der US Käufer allerdings beim Stichwort „Ersparnis” im Bauprozess nicht nur an Kosten, sondern auch an Zeit. Andererseits spielt der Preis speziell in gehobenen Marktsegmenten und hinsichtlich des Nachhaltigkeits-Trends eine zunehmend geringere Rolle.

 

Digitalisierung als Chance

Solange der Mensch nicht in der Cloud wohnen kann, wird die Digitalisierung für die Bauwirtschaft mehr Chancen als Gefahren bergen. Auf dem Gebiet der Smart Homes ist Google mit seinem Nest System ein absoluter Pioneer. Beginnend beim smarten Heizungsthermostat vernetzt die Technologie die gesamte Haustechnik, inklusive Lichtsteuerung. Telekomanbieter steigen mit Alarmanlagen und intelligenten Schlössern in die Sicherheitstechnik ein und smarte Haushaltsgeräte erledigen selbstständig Ihre Einkäufe. Der Versandriese Amazon hat hier derzeit noch kein entsprechendes Angebot, mit der Akquisition der Premium Biosupermarktkette Whole Foods könnte sich das aber bald ändern.

Insgesamt gilt die Digitalisierung als einer der stärksten Wachstumstreiber in der Bauwirtschaft der USA. Man geht derzeit landesweit von ca. 10 Millionen smarten Haushalten aus. Schätzungen zufolge soll diese Zahl bis 2022 auf über 20 Millionen ansteigen. Andere Studien gehen davon aus, dass aktuell 20% der Haushalte smart sind und rechnen mit einem Anstieg auf 30% bis 2021. Abgesehen von den bereits erwähnten, boomenden Technologien gibt es noch großen, bislang unbesetzten Spielraum am digitalen Feld. Die günstigsten Märkte, um sich mit entsprechenden Angeboten zu positionieren, sind die großen Metropolregionen.

 

Der beste Baugrund ist das Geld

Die Marktentwicklung im Bausektor folgt einem prozyklischen Muster. Es gilt: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s dem Bau gut.” In den USA trifft das vor allem auf die Großstadtregionen an der Ost- und Westküste, in Texas, im Mittleren Westen und insbesondere auch auf unseren Standort in Denver, Colorado zu.

Generell ist es einfacher, dort ein Stück vom Kuchen abzubekommen, wo ohnehin gerade gebacken wird. Ein wachsendes Marktumfeld erleichtert den Eintritt in neue Märkte ungemein. Wir beraten Sie gerne dazu, wie Sie mit Ihrer Technologie im US Markt Fuß fassen können!

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Über den Autor

Gregor Vogrin

Managing Partner, Denver

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