Das Ergebnisverbesserungsprogramm als Mittel gegen stetige Gewinnerosion

Andreas Frischherz | | Mai 2, 2019

Die Luft wird dünner auf den internationalen Märkten. Der Globalisierungsprozess verschärft die Wettbewerbsbedingungen und erhöht den Preisdruck während Faktorkosten in vielen Bereichen weiter steigen. Die unweigerliche Folge ist eine stetige Gewinnerosion. Wer nicht rechtzeitig gegensteuert, läuft blindlings in die Preis-Kosten-Schere. Das proaktive Ergebnisverbesserungsprogramm kann mittels frühzeitiger Maßnahmensetzung schmerzhafte Einschnitte, die unter Krisenbedingungen unumgänglich werden, verhindern. Die Herausforderung dabei ist in vielen Fällen weniger, dem Margenverlust entgegenzuwirken, als vielmehr das laufende Hinterfragen der Notwendigkeit aller Ausgaben.

 

Irgendwann, nur nicht jetzt
Prokrastination. Die Tendenz zum Aufschieben von unangenehmen Aufgaben liegt uns als Menschen im Blut. Wir sind Unlust-Vermeider und Lust-Sucher. Das zeigt sich bereits in den kleinen Dingen. Beispielsweise wenn Sie morgens den Snooze-Button drücken und so das Aufstehen noch ein paar Minuten hinauszögern, nur um dann unter immensem Zeitdruck in die Arbeit zu hetzen anstatt in Ruhe zu frühstücken, den Tag mit ein paar Sonnengrüßen willkommen zu heißen und sich dann entspannt auf den Weg zu machen. Das ist keineswegs rational, aber durchaus menschlich. Die Aufschieberitis ist ein systematischer Fehler, der sich nicht nur in die individuelle, sondern auch in die kollektive Verhaltensroutine eingeschrieben hat. Auch im betrieblichen Kontext macht sie sich deutlich bemerkbar.

Kosten sparen ist nicht lustig
Es gibt nicht vieles, das unpopulärer ist und weniger Spaß macht als Einsparungen. Insofern ist es nicht besonders verwunderlich, dass diese schmerzvolle Aufgabe in der unternehmerischen Praxis oft lange vor sich hergeschoben wird. Indessen werden die Margen immer kleiner und damit auch der Freiheitsgrad in der Maßnahmengestaltung gegen die fortschreitende Gewinnerosion. Der Erkenntnisgewinn, dass es eine konzertierte Aktion zur Ergebnisverbesserung braucht, kommt meist sehr spät. Und manchmal auch zu spät. Nicht ohne Grund boomt die Nachfrage nach Beratungsleistungen im Restrukturierungsbereich wie nie zuvor. Speziell im schnelllebigen Wirtschaftsumfeld von heute ist es daher von essentieller Bedeutung, sich in Proaktivität zu üben.

Die Lage spitzt sich zu
Angetrieben durch Digitalisierung, die zunehmende Verflechtung internationaler Märkte und sinkende Transportkosten schreitet der Globalisierungsprozess in großen Schritten voran. Auf einem Weltmarkt, der sich durch immer größere Transparenz und Vergleichbarkeit des Angebots auszeichnet, werden Preisaufschläge auf dem Boden von Ineffizienzen nicht länger verziehen. Preise, die auf einem abgeschotteten Markt mit limitiertem Zugang zu Informationen und Leistungen noch haltbar waren, geraten heute zunehmend unter Druck. Die internationale Wettbewerbssituation spitzt sich weiter zu.

Aber nicht nur preisseitig verschärft sich die Situation. Auch kostenseitig schrumpfen die Margen kontinuierlich. Die Faktorkosten für Personal und andere zugekaufte Leistungen unterliegen einer ständigen Steigerung. Eine jährliche, kollektivvertragliche Lohnerhöhung von 3% bewegt sich beispielsweise durchaus im Normalbereich. Macht man sich nun bewusst, dass eine derartige Lohnsteigerung in einem Betrieb mit 500 Mitarbeitern eine jährliche Personalkostenerhöhung von 1 Million Euro mit sich bringt, wird eines schnell klar: Unternehmen sind heute de facto entweder zum ständigen Wachstum oder zur permanenten Produktivitätsverbesserung verdammt, wenn sie eine Gewinnerosion verhindern wollen. Denn steigende Faktorkosten können nur über eine entsprechende Steigerung des Umsatzes oder eine Reduktion des Mitteleinsatzes wieder hereingeholt werden.

Rechtzeitig handeln
Um sich vor einer aufgehenden Preis-Kosten-Schere zu retten, gibt es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt. Ein vorausschauendes Management beginnt bereits in guten Zeiten und am besten laufend, Maßnahmen zu entwickeln und zurechtzulegen, die in schlechteren Zeiten gezogen werden können. Proaktive Ergebnisverbesserungsprogramme erlauben somit vergleichsweise höhere Freiheitsgrade und verursachen weniger Druck als reaktives Handeln, wenn man bereits mit dem Rücken zur Wand steht.

In 4 Schritten zur Ergebnisverbesserung
Unserer Beratungserfahrung nach hat sich bei der Einführung von Ergebnisverbesserungsprogrammen ein Vorgehen in 4 Schritten bewährt:

  • Problembewusstsein schaffen
    Zunächst ist es von grundlegender Bedeutung, in der gesamten Organisation einen Sense of Urgency für konzertiertes Handeln zu etablieren. Erfahrungsgemäß ist für diesen Zweck die Darstellung des absoluten Worst-Case-Szenarios das weitaus effektivste Mittel. Die relevante Frage dabei lautet: Welche ergebnisbelastenden Faktoren können schlimmstenfalls eintreten (z.B. Faktorkostensteigerungen, sinkendes Marktpreisniveau)?

  • Stretch Target setzen
    Aus der Berechnung des Worst Case ergibt sich in vielen Fällen bereits eine Ergebnislücke und damit ein Stretch Target, das mit zu entwickelnden Gegensteuerungsmaßnahmen erreicht werden soll. Wichtig dabei ist, möglichst ambitioniert an die Zielsetzung heranzugehen. Denn nur eine Herausforderung, die groß genug ist, hat das Potential, das Management aus der Komfortzone herauszulocken und neuartige oder sogar disruptive Ideen zu entwickeln.

  • Ziele herunterbrechen
    Im nächsten Schritt folgt das Herunterbrechen der Gesamtzielsetzung auf die einzelnen Unternehmensbereiche. Dabei gilt: Gleiches Unrecht für alle. Das heißt nicht, dass die absoluten Einsparungsbeträge für jede Abteilung gleich sein sollen, sondern das relative Anstrengungsniveau, das für die Zielerreichung gefordert wird.

  • Maßnahmen entwickeln und umsetzen
    Um das Ergebnisverbesserungsprogramm schlussendlich zur Umsetzung zu bringen, gilt es konkrete Maßnahmen zu entwickeln, deren individuelle Ergebniswirkungen transparent, quantitativ bewertet, zeitgebunden und nachvollziehbar und kontrollierbar sind.

Zusammengefasst lohnt es sich, in Sachen Ergebnisverbesserung auf den Snooze-Button zu verzichten. Wer zu lange aufschiebt, läuft im hyper-dynamischen Wirtschaftsumfeld von heute Gefahr, der kontinuierlich weiter aufgehenden Preis-Kosten-Schere zum Opfer zu fallen. Mithilfe von vorausschauendem Management und kontinuierlichen Ergebnisverbesserungsmaßnahmen kann der stetigen Gewinnerosion frühzeitig entgegengewirkt werden und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben. Im großen wie im kleinen Rahmen gilt also jedenfalls: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

 

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Über den Autor

Andreas Frischherz

Managing Partner, Wien

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