Kann der Mittelstand sich Aufschwung und Wachstum auch leisten?

F. Roman Pongrácz | December 11, 2017

Die Wirtschaftsstimmung in Österreich ist so gut wie schon lange nicht, doch gerade mit dem Aufschwung könnten sich für die Finanzierung des Mittelstands in Österreich neue Herausforderungen ergeben. Und das, obwohl die Zinsen auf Rekordtief sind, die EZB die Märkte mit billigen Euros „flutet“ und man lesen kann, dass große Unternehmen für ihre Veranlagungen bereits Strafzinsen zahlen…

Auch unserer letzten Finanzierungsstudie ist zu entnehmen, dass die wahrgenommenen Finanzierungshürden in den letzten Jahren durchaus gesunken sind. Im Detail aber bewerten kleinere Unternehmen die Umstände weiter deutlich pessimistischer als der größere Mittelstand. Heraufordernde Momente, aber auch Potentiale zur Verbesserung, zeigen sich gerade für KMUs sowohl in der klassischen Fremdfinanzierung, als auch auf der Eigenkapitalseite.

 

Auch bei KMUs oft unterschätzt – die Potentiale der Innenfinanzierung

Immer noch und immer wieder liegt ein hohes, oft unterschätztes Potential in der Innenfinanzierung; leistungsfähige Analytik eröffnet hier neue Chancen. Mittlerweile liegen Big Data Modelle auch in Reichweite des Mittelstands; detaillierte Analysen aller Lagerpositionen auf SKU-Ebene oder des gesamten Fakturenbestandes auf Debitoren- und Kreditorenseite in dynamischen Sichtweisen über mehrere Jahre sind mittlerweile in kurzer Zeit machbar. Transparenz und vorbehaltslose Diskussion ergeben mitunter Potentiale von 20% des gebundenen Kapitals, das so in freie Liquidität umgewandelt werden kann! Diese Projekte dauern nur wenige Wochen, wobei parallel im Bereich der internen Prozesse und der Steuerung deutliche Fortschritte erzielt werden können! Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema.

Zwei weitere Elemente verdienen besondere Beachtung; das Rating und die bankenunabhängigen Finanzierungsformen.

 

Gut vorbereitet in das Rating und das Bankengespräch

Zunächst zum Rating; Banken bewerten die Bonität des Unternehmens mit teilweise unterschiedlichen Kriterien. Aus unserer Finanzierungsstudie ist abzuleiten, dass nur ein Drittel der Unternehmen über die Hintergründe ihres Ratings gut Bescheid weiß, was auch daran liegen mag, dass bankenseitig nicht immer ausreichend informiert wird. Dies obwohl unbestritten ist, dass die Bedeutung des Ratings in den letzten Jahren gestiegen ist und eines der wichtigsten Entscheidungsinstrumente dafür darstellt, ob und zu welchen Konditionen, ein Institut eine Finanzierung gewährt. Wenig bekannt ist, dass ein hoher und bedeutender Anteil der Risikoeinschätzung auf qualitativen Faktoren beruht. Es liegt also im direkten Interesse des Unternehmens, seiner Manager und seiner Eigentümer sich auf ein Rating gezielt und proaktiv vorzubereiten. Das bedeutet nicht darauf zu warten, dass die Bank Unterlagen nachfragt oder Erklärungen verlangt, sondern rechtzeitig und konsequent zu agieren.

 

Proaktive und professionelle Planung

Wenn man sicher sein will hier positiv zu überraschen, dann bietet sich eine professionelle, in Finanzierungsfragen erfahrene Begleitung an; extern unterstützt werden die Bilanzen kommentiert, integrierte Business-Pläne erstellt, Maßnahmen definiert und mit ergänzenden Unterlagen eine kompakte, gut strukturierte Unterlage zusammengestellt. Idealerweise sind in den Plänen auch Szenarien enthalten und Sensitivitäten mit abgebildet. Im Vorfeld sollten die kritischen Punkte abgeklärt und die Argumentation auch durchgedacht werden. Ein guter Berater weiß, welche Punkte den Finanzpartner wichtig sind, er zeigt neue Chancen auf, bringt Kontakte zu Banken mit und begleitet den Unternehmer oder Geschäftsführer auch zu den Terminen.

 

Neue und bekannte, bankenunabhängige Finanzierungen

Bankenunabhängige Finanzierungsformen haben in den letzten Jahren auch für KMUs neue Perspektiven gebracht. Factoring zählt sogar heute zu den beliebtesten Möglichkeiten zusätzliche Liquidität ins Unternehmen zu bringen. Die meisten Factoringgesellschaften in Österreich gehören zwar Bankengruppen an, werden jedoch getrennt geführt. Auch gibt es einige, z.T. weniger bekannte unabhängige Institute.

Ein weiteres spannendes Instrument ist das Crowd Funding; hier sind seit einigen Jahren die rechtlichen Rahmenbedingungen fixiert und nicht nur Start-Ups auch die ersten heimischen Mittelständer haben diese Finanzierungsmöglichkeit genützt. Etablierte Unternehmen nutzen diese Form allerdings primär aus einer Marketingüberlegung. Crowd Funding ist zudem ein vergleichsweise teures Fremdkapital und benötigt in der Regel eine längere Vorbereitungszeit. Auch Sale-Lease-Back Transaktionen können interessante Chancen eröffnen, stille Reserven heben und das Eigenkapital stärken.

 

Entscheidend – ein solides Eigenkapital und eine nachhaltige Eigentümerstruktur!

In der Bedeutung der bankenunabhängigen Finanzierungsformen hat die grundlegendste Form der Finanzierung, das Eigenkapital zuletzt sehr stark zugelegt. Der KMU Bericht der Wirtschaftskammer zeigt, dass die relevante Eigenkapitalquote in den letzten Jahren stetig auf zuletzt 31% gewachsen ist. Aber Achtung: eine gute Eigenkapitalquote ist noch lange kein Garant für eine solide Liquidität! Wenn es gilt höhere Investitionen für die Zukunft zu finanzieren, gewinnt in diesem Zusammenhang parallel das Nachfolgethema weiter an Relevanz. Bei guter Vorbereitung lassen sich hier Lösungen finden, die für die bestehenden Eigentümer, die Zukunftssicherung des Unternehmens und für Investoren jeweils solide Perspektiven ergeben. Die Bewertungen für Unternehmen, auch im KMU Sektor, sind in den letzten Jahren stetig gestiegen, speziell wenn es sich um technologiestarke Firmen handelt, wenn das Potential zur Internationalisierung ausgebaut werden kann oder auch wenn durch Konsolidierungseffekte Optimierungen möglich werden.

 

Auch im Mittelstand bringen professionelle M&A Prozesse große Vorteile

Mit professioneller Unterstützung und gut vorbereitet lassen sich Transaktionen maßgeschneidert strukturieren, sodass alle beteiligten Parteien ihre Chancen nutzen; so können Investoren Kapital und eigenes Wissen einbringen, die Alteigentümer ihr Risiko diversifizieren und an der Wertsteigerung partizipieren und gleichzeitig dient das höhere Eigenkapital als Hebel und Abdeckung für zusätzliche Finanzierungen in die Zukunft. Durch einen professionell geführten Prozess wird sichergestellt, dass die wesentlichen Informationen da sind, wenn sie benötigt werden, dass die Kapazitäten für das Tagesgeschäft erhalten bleiben, die Vertraulichkeit gewahrt ist und die Informationsqualität für alle Parteien ident ist. Neutral können die Optionen bewertet und die Entscheidungen auf solider Basis getroffen werden. Sorgfältige und rechtzeitige Vorbereitung machen sich auch hier bezahlt!

Insgesamt bleibt das Finanzierungsumfeld daher gerade für die KMUs herausfordernd, es gibt aber sowohl im Bereich des klassischen Fremdkapitals, der alternativen Finanzierungsformen und speziell im Bereich der Stärkung des Eigenkapitals durchaus eine breite Palette an Möglichkeiten und Chancen, die mit professioneller Begleitung noch zielsicherer genutzt werden können.

 

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Über den Autor

F. Roman Pongrácz

Managing Partner, Wien

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