GCI Managing Partner Gregor Vogrin im Interview: The real deal and how to get things done

GCI Management | Juni 6, 2019

 

Denver: Die Ursprünge der Hauptstadt Colorados wurzeln bereits in der Zeit des Wilden Westens. Mittlerweile ist die Stadt ein angesehener Business- und Tech Hub geworden und eine der schnellst wachsenden Metro Areas in den USA. Managing Partner Gregor Vogrin ist für GCI im, mittlerweile nicht mehr ganz so wilden, amerikanischen Westen vor Ort und unterstützt österreichische und deutsche Unternehmen bei ihrem Markteintritt in den USA.

 

Auf dem Cover Ihres LinkedIn Profils prangt in großen Buchstaben “Getting things done”. Was steckt dahinter?
Im Business Universum – und ganz besonders in der Consulting Welt – gibt es viel heiße Luft. Meine Devise ist eher: The real deal is to get things done. Unsere Kunden arbeiten mit uns, weil wir den Real Deal liefern. Wir reden nicht nur über die Dinge, sondern bekommen sie auch wirklich gebacken.

 

Wie sieht ein produktiver Arbeitstag bei Ihnen aus?
Die effizienteste Organisationsform wird für mich immer die One-Man-Show bleiben. Leider ist das Modell nicht skalierbar. Ein besonders effizienter Arbeitstag beginnt bei mir um 5:45 früh. Durch acht Stunden Zeitverschiebung zwischen Denver und Wien ist der halbe Arbeitstag in Österreich schon vorbei, wenn ich aufstehe. Also muss ich zuerst einmal aufholen. Am schönsten beginnt der Tag, wenn ich um 5:45 keine “Hilfe es brennt!”-Mails lesen muss, sondern alles im grünen Bereich ist. Meistens bin ich um kurz nach 7:00 im Büro. Bis 10 oder 11 Uhr führe ich Telefonate mit Kunden in Österreich und Deutschland. Dann beginnt meine Arbeit an den aktuellen Projekten. Das dauert bis nachmittags. Währenddessen und danach finden interne Abstimmungen mit meinem Team statt. Am späten Nachmittag und frühen Abend folgen externe Meetings im Office und im nahen Umkreis. Abends beantworte ich eventuell noch ein paar E-Mails. Dann kann der produktive Tag enden.

 

Sie haben an der WU in Wien und an der University of British Columbia studiert. Heute leben Sie in den USA. Wie hat es Sie dorthin verschlagen?
Eine Kombination aus Chancen und Gelegenheiten. Ab 2006 baute ich über sechs Jahre hinweg das CEE Geschäft der GCI auf und leitete es. Anfang 2012 wurde mir klar, dass ich den damit verbundenen Reiseaufwand nicht mehr wollte. Meine Woche sah zu dieser Zeit ungefähr so aus: Montag in Wien, Dienstag Bukarest, Mittwoch irgendwo sonst in Rumänien, Donnerstag Deutschland, Freitag wieder Wien. Meine Frau (die wirklich Smarte und Erfolgreiche in der Familie) arbeitete zu dieser Zeit bereits für Western Union. Dort erhielt sie 2012 ein interessantes Jobangebot im US Headquarter in Denver. Daraufhin haben wir uns Denver gemeinsam angesehen und waren sofort begeistert. Ich selbst hatte zuvor bereits das CEE Geschäft aufgebaut, also war es naheliegend, die GCI USA bzw. Nordamerika Practice zu starten. And so we went.

 

Wieso befindet sich das GCI Office ausgerechnet in Denver?
Es zieht sehr viele Menschen und Unternehmen nach Denver und das macht die Stadt zu einem mittlerweile sehr anerkannten Business- und Tech-Hub. Große Unternehmen wie Google oder Lockheed Martin, bauen ihre Standorte hier aus und errichten einen neuen Campus. In den USA muss man niemandem erklären, warum man diesen Standort gewählt hat. Da bekommt man durchweg positive Rückmeldungen. In Österreich und Deutschland ist das noch anders. Aber langsam bekommen wir immer mehr Aufmerksamkeit. Im Oktober 2019 kommt die erste Delegationsreise der Wirtschaftskammer nach Denver. Ein klares Zeichen dafür, dass Denver mehr und mehr den Stellenwert bekommt, den es verdient. Entscheider unserer österreichischen Clients, die Denver als Standort zu Beginn etwas skeptisch gegenüber standen, änderten ihre Meinung meist ziemlich schnell. Nach dem ersten Besuch verwandelte sich die Skepsis in Überzeugung: “Eigentlich könnten wir hier auch langfristig bleiben!”. Well, yes!

 

Gibt es persönliche Gründe für die Ortswahl?
In erster Linie wegen der Jobmöglichkeit für meine Frau. In zweiter Linie, weil Denver ein großartiger Platz zum Leben und Arbeiten ist. Die Stadt ist groß, aber nicht riesig. Sie bietet alle Annehmlichkeiten, die man sich vorstellt: Aus unserem Office blicke ich direkt auf die 4.500 m hohen Rocky Mountains. Es könnte schlimmer sein! Hier ist es ein bisschen wie in Innsbruck, nur eben mit Downtown, Hochhäusern und 20 mal so groß. In gerade mal einer Stunde bin ich im hochalpinen Bereich: Vail, Beaver Creek, Breckenridge – alles in ca. 90 Minuten Entfernung. Das kommt mir als passioniertem Skifahrer durchaus gelegen. Und für unser Consulting Business ist die zentrale Lage nur ein Vorteil.

 

Welche infrastrukturellen Vorteile bietet der Standort?
Laut Wall Street Journal (und mir) hat Denver den besten Flughafen der USA, denn wir liegen extrem zentral: Maximal zwei bis drei Stunden Flugzeit in sämtliche amerikanische Hauptstädte. Unsere Projekte dehnen sich über den gesamten Kontinent aus, daher ist die zentrale Lage unerlässlich. Einziges Manko: Es gibt keine Direktverbindung nach Wien.

 

Seit mittlerweile 7 Jahren leben Sie in Denver. Wie hat sich die Attraktivität des Standortes in diesem Zeitraum entwickelt?
Denver erlebt gerade einen Boom, der nicht enden will. Seitdem wir 2012 hierher kamen, ist die Stadt von 2,9 auf 3,5 Millionen Menschen gewachsen. Wir hatten zeitweise mehr Baustellen als das dreimal größere Chicago. Durch den großen Zuzug und die vielen Investitionen aber auch einen stärkeren internationalen Touch!

 

Nach Ihrem Studium haben Sie 3 Jahre lang in der Industrie gearbeitet. Was hat Sie zum Schritt in die Beratung bewegt?
Ich fand Beratung einfach schon immer cool.

 

Sie sind Spezialist für Markteintritte in die USA. Wie unterstützen Sie die Unternehmen dabei?
We get things done. Und das machen wir im Wesentlichen durch zwei Dinge:

  1. Wir helfen österreichischen und deutschen Unternehmen beim Aufbau ihres US-Geschäfts. Dabei entwickeln wir gemeinsam mit den Klienten maßgeschneiderte Geschäftsmodelle, um die Produkte und Services möglichst gewinnbringend an die richtige Zielgruppe zu verkaufen. Wenn wir uns für eine Strategie entschieden haben, setzen wir das entsprechende Modell um. Wir finden Kunden, Reseller und Distributoren oder bauen gleich den kompletten Sales-Apparat auf. Das heißt: Wir rekrutieren das notwendige Sales-Team, stellen die Marketing-Leute an und organisieren die Logistik. Wir stellen Finance, Accounting und Legal sicher und managen die lokale US Organisation in enger Abstimmung mit unseren Kunden in Österreich oder Deutschland.  Kurz gesagt: Wir machen alles, von Interim-Sales bis zur Interim-Geschäftsführung.

  2. Unsere zweite Klientel sind die US-Tochterfirmen von österreichischen und deutschen Unternehmen, bei denen es nicht nach Plan läuft. Das heißt: Zu hohes oder zu geringes Wachstum. Auch bei Spezialfällen, wie Investoren-Akquisition oder Standortwahl, haben wir Lösungen parat. Wir spannen damit den breiten Bogen zwischen Strategie und operativer Umsetzung. Super breit, super tiefgreifend, super spannend!

Gibt es etwas, das Sie aus Ihrer Zeit in der Industrie vermissen?
Nein, gar nicht. Denn wir  sind immer die Industrie unserer Klienten. Durch unseren operativen Ansatz mit Interim-Management, sind wir immer mittendrin statt nur dabei. Dadurch heben wir uns von anderen ab.

 

Internationalisierung scheint Ihr Steckenpferd zu sein – Woher kommt die Wanderlust?
Ich wurde immer von Chancen und Gelegenheiten angetrieben. In den frühen 2000er Jahren gewann das Thema CEE stark an Relevanz. Damals gab es bereits viele spannende Themen, die die Hilfe von Beratern brauchten. Seit 2012 hat sich die USA zum zweitwichtigsten Handelspartner für Österreich entwickelt. Und die amerikanische Art Geschäfte zu machen unterscheidet sich stark von europäischen Ländern. Daher braucht es Consulter, die genau das beherrschen. Vielleicht liegt die Wanderlust auch an den Genen: Meine Familie war immer schon international verteilt, von der Steiermark bis nach Kanada.

 

Welchen Wert hatte Ihre Auslandserfahrung für Ihre Persönlichkeitsentwicklung und für Ihre berufliche Laufbahn?
Man sieht Dinge anders, wenn man international unterwegs ist. Ich könnte niemanden bei der Internationalisierung seines Business beraten, wenn ich die Unterschiede zwischen hüben und drüben nicht klar erkennen würden.

 

Welche Erfahrungen schaffen den meisten Wert in Ihrer Arbeit mit Klientinnen und Klienten?
Merken, wie es funktioniert und wie eben nicht.

Worin unterscheidet sich ein erfolgreicher Internationalisierungsprozess von einem gescheiterten?
Ob man am Ende des Tages Geld macht oder nicht. Ich denke hier sehr pragmatisch.

Wer sind Sie eigentlich, wenn Sie nicht Berater sind?
Ich bin immer Berater. Berater wissen immer, wie es besser, schneller, einfacher geht. You name it. We have it. ;-)

 

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