Finanzierung Mittelstand

F. Roman Pongrácz | Juni 12, 2018

Optimismus und positive Stimmung zeichnen das Bild für heimische Unternehmen. Innenfinanzierungskraft und gestärktes Eigenkapital bleiben ebenso essentiell wie klassische Bankenfinanzierungen. Nur kleinere Mittelständler spüren immer noch Gegenwind. Und beim Rating hinken wahrnehmbare Maßnahmen der wahrgenommenen Bedeutung noch (immer) hinterher.

Das sind in kurzen Worten die Kernerkenntnisse der aktuellen, seit 2009 jährlich durchgeführten GCI Finanzierungsstudie. Interessant, dass der Finanzierungsbedarf nach Aussage der teilnehmenden Mittelständler 2018 deutlich höher ist als noch im Vorjahr. Andererseits hat sich eine nachhaltig positive konjunkturelle Stimmung ergeben, aufgeschobene Investitionen werden umgesetzt, die Wachstumsambitionen wollen finanziert werden und auch Übernahmen spielen wohl wieder eine Rolle.

Deutlich positive Signale zeigen auch die sinkenden Finanzierungshürden. Das bestätigt das Meinungsbild, das wir auch in unseren Projekten und von unseren Kunden aufnehmen. Die Kommerzbanken sind mittlerweile wieder deutlich aktiver, flexibler und kreativer. Die Finanzierungslandschaft wird bunter und bleibt durch den weiterhin überaus niedrigen Basiszins auch weiter sehr attraktiv. Der gute Trend aus 2017 hält also an! Wobei das so pauschal nicht ganz stimmt: Für kleinere Unternehmen, also solche mit einem Umsatz von unter 50 Mio. EUR bleibt es schwierig. Hier bestätigt sich unsere Wahrnehmung aus der Beratung, dass beim Finanzierungsprozess das Optimierungspotential im KMU Sektor sicher am deutlichsten sichtbar ist.

Hinsichtlich der Finanzierungsinstrumente haben sich aktuell keine wesentlichen Änderungen ergeben; weiterhin ist der Bereich Innenfinanzierung  der dominante Bereich, aus dem Finanzierungsbedarfe gedeckt werden. Die klassischen Bankfinanzierungen haben sich im Laufe der letzten Jahre nach vorne gearbeitet und sind ebenfalls wieder im Spitzenfeld. Insgesamt mit zunehmender Bedeutung werden Eigenkapital-Finanzierungsformen eingeschätzt. Speziell aus externer Sicht wird hier mehr Bewegung erwartet. Von den alternativen Finanzierungsarten zählen Factoring und Leasing mittlerweile zu den etablierten „nicht-klassischen“ Formen der Liquiditätsbeschaffung.

Crowd Funding zeigt sich zwar weiterhin als Randbereich, diesem Instrument werden aber hohe Vorteile und Zweitnutzen in der Vermarktung, im Vertrieb und in der Kundenbindung zugestanden. Mit der Einschätzung eines Finanzierungspotenzials von mittlerweile deutlich über 1,5 Mio. EUR wird Crowd Funding zwar weiterhin klassische Finanzierungen nicht ersetzen, aber für bestimmte Unternehmen eine spannende Ergänzung bieten und in Einzelfällen sogar hohe Bedeutung haben.

Beinahe wieder zu erwarten war leider auch heuer, dass zwar Seitens der Unternehmen aktiv an der Verbesserung des Banken-Ratings gearbeitet wird, die notwendige Transparenz über das Rating-System und seine Einflussfaktoren aber nicht gegeben ist. Hier besteht sicherlich deutlicher Handlungsbedarf, wenngleich die Beratungspraxis zeigt, dass Unternehmen mit einer soliden, szenarienfähigen Planung, durchstrukturierten Maßnahmenplänen, einem validen Reporting und bei rechtzeitigem Agieren bei den Banken schon viel bewegen können – selbst wenn nicht sämtliche Facetten des jeweiligen Rating-Modells bekannt sind.

An dieser Stelle wollen wir uns bei allen Unternehmen und Managern bedanken, die heuer, aber auch die letzten Jahre teilgenommen haben und unsere Studie um Ihre Perspektiven und Erfahrungen bereichert haben.

Wir danken allen Lesern für Ihr Interesse und freuen uns, wenn Sie auch im kommenden Jahr Ihre Sichtweise in die 10. GCI Finanzierungsstudie 2019 einbringen!

In diesem Sinne laden wir Sie ein, sich die aktuellen Ergebnisse und Zeitreihen der vergangenen Jahre hier herunterzuladen.

cta Finanzierungsstudie 2017

Über den Autor

F. Roman Pongrácz

Managing Partner, Wien

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