Warum die Finanzierung ein dauerhafter Prozess sein sollte

F. Roman Pongrácz | Mai 29, 2018

Rechtzeitig agieren! Diese Grundregel gilt sicher auch im Finanzierungsprozess, speziell da externe Parteien involviert sind. Sie brauchen zunächst eine professionelle, umfassende Finanzplanung für die Sie einige Wochen einplanen müssen. So lange braucht es, bis einmal das Modell richtig steht – vorausgesetzt, es handelt sich nicht um eine besonders komplexe Planungsaufgabe, die dann
mehr Zeit benötigt. Im Übrigen sollte man bedenken, dass auch die Finanzierungsentscheidung der Banken durchaus Zeit braucht und mehrere Stellen einbezogen sind - deutlich mehr als vor einigen Jahren.

Es gibt einige Grundregeln, die für einen professionellen und erfolgreichen Finanzierungsprozess beachtet werden sollten.

Was Sie bei der Planung berücksichtigen müssen

Eine sinnvolle Finanzplanung bedeutet, prozessorientiert und aus der Tiefe des Unternehmens Faktoren zu extrahieren, zu kombinieren und integriert zu berücksichtigen. Für diesen Prozess sind eher drei bis vier Wochen zu veranschlagen, in komplexeren Fällen, wenn Szenarien analysiert werden müssen und Abhängigkeiten zu berücksichtigen sind, kann es auch deutlich länger dauern.

Und nach diesem Prozess sollten die Ergebnisse regelmäßig einer Überprüfung unterzogen werden – die groben Eckwerte idealerweise einmal pro Monat, in der Tiefe, wenn es signifikante Abweichungen oder Veränderungen im Umfeld gegeben hat, regelmäßig einmal pro Jahr oder zumindest alle zwei Jahre.

Damit verfügt man dann jedoch über die Basis, Finanzierungsentscheidungen – etwa jene über den besten Finanzierungsmix – und die Evaluierung des jeweiligen Finanzierungsbedarfs kompetent und verlässlich treffen zu können. Mit diesem Know-how und diesem Wissen ist man gerüstet für jene Fragen, die sich bei externen Finanzierungen stellen, falls man sie benötigt.

Wer beteiligt sein sollte

Einen Finanzierungsprozess alleine durchzuziehen, ist wenig ratsam – im Mittelstand ist man in der regel sehr schlank aufgestellt und für das Tagesgeschäft gerüstet. Im Zweifel aber erfordert die Auswahl der im Einzelfall passenden Finanzierung besonderes Fachwissen, zu viele Fallstricke lauern und zu viel kann passieren. Wen man als KMU bei der Planung und Umsetzung eines Finanzierungsprojektes hinzuzieht, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

Experten der Finanzierungsinstitute haben in der Regel ein Eigeninteresse und kennen die betrieblichen Bedürfnisse und Abhängigkeiten nicht. Steuerberater sind sicherlich einzubeziehen, haben aber nicht unbedingt Finanzierungsexpertise und können sich eventuell nicht im Detail mit der Unternehmensplanung beschäftigen. Grundsätzlich aber können externe, unabhängige Berater dann einen Beitrag leisten, wenn sie betriebswirtschaftliches und finanztechnisches Know-how verbinden – als Experten, die die Notwendigkeiten, die Stolpersteine und die zeitlichen Abläufe im Auge behalten. Und die vor allem wissen, welche Finanzierungsalternativen relevant wären, welche Anforderungen jeweils gestellt werden, welche Dokumentation erwartet wird, etc.

Für die Eigentümer und Unternehmensverantwortlichen können sich hier natürlich auch weitere Ansatzpunkte ergeben, die über die reine Finanzierungsfrage hinausgehen; z.B. als Sparring Partner, mit denen man nicht nur Banken-Gespräche simulieren kann, die unter Umständen sogar auf informeller Ebene mit den Finanzierungspartnern Alternativen ausloten. Das bringt höhere Flexibilität und spart Kapazitäten. Steuerberater oder auch juristische Berater sollten bei der Planung und Abwicklung eines Finanzierungsprozesses natürlich ebenfalls an Bord sein.

Unternehmensintern hat man, wenn man es richtig gemacht hat, die Entscheidungsträger aus dem gesamten Unternehmen in die Business Planung bereits mit einbezogen. Wenn die Grundlagen stehen, dann ist ein Team aus Eigentümer, Geschäftsführer, Controlling Leiter und/oder Finanzchef die richtige
Konstellation, um den Finanzierungsprozess in die Umsetzung zu führen.

Wie oft sollte man einen Finanzplan erstellen?

Das Zauberwort für die Planung von Finanzen und Finanzierung heißt: "rollierend" – also regelmäßig und vor allem wiederkehrend.

Grundsätzlich sollte man längstens alle zwei Jahre daran gehen, seinen Finanzplan in der Tiefe zu überprüfen, zu adaptieren und gegebenenfalls neu aufzustellen. Soll-Ist-Vergleiche sollten permanenter Bestandteil jedes Finanzierungs-Planungsprozesses sein. An den wesentlichen Kennzahlen sollte man monatlich Nachschau halten, ob noch alles passt oder ob sich Rahmenbedingungen so verändert haben, dass man an der einen oder andere Schraube drehen muss. Man sollte einfach die Augen offen halten, nach Vorne schauen, damit rechtzeitig registrieren, wenn sich etwas tut, und so zeitgerecht reagieren zu können.

 

Nach der Finanzierung ist vor der Finanzierung

Hat man als Geschäftsführer oder Vorstand eines Unternehmens alles richtig gemacht, einen professionellen Finanzierungsplan sorgfältig erstellt, die Finanzierung eines Projektes mit der richtigen Bank glücklich abgeschlossen, und lehnt man sich dann erleichtert zurück, um sich wieder den vielen anderen Aufgaben im Unternehmen zu widmen - dann hat man bereits den Grundstein für einen entscheidenden Fehler im nächsten Finanzierungsprozess gelegt.

Denn nach der Finanzierung ist eben vor der Finanzierung: Ist ein Projekt abgeschlossen, ist abzusehen, dass das nächste bereits vor der Türe stehen. Genau darum ist laufende Kommunikation auch so besonders wichtig. Gerade mit Banken sollte man deshalb proaktiv das Gespräch suchen, auch wenn es gerade nichts zu finanzieren gibt. Denn das wird sich wieder ändern und wenn man dann darauf bauen kann, vorgebaut zu haben, ist man in einer glücklichen Situation.

Fünf Tipps für den dauerhaften Finanzierungsprozess:

  1. Der Zeitfaktor: Wer zeitlich beim Finanzierungsprozess unter Druck steht, hat einen großen Nachteil. Im Mittelstand sollte man in der Regel eine Vorlaufzeit von einem halben Jahr einplanen; immer ab dem Zeitpunkt und unter der Voraussetzung, dass ein professioneller Finanzierungsplan vorliegt.
  2. Hilfe annehmen: Finanzplanung ist – wenn man das Thema professionell angeht – eine komplexe Angelegenheit. Daher ist es auf jeden Fall ratsam, die Hilfe externer Experten in Anspruch zu nehmen.
  3. Jetzt Chancen nutzen: Die Lage ist noch immer günstig – die Zinsen sind niedrig, die Banken sind wieder finanzierungsfreudig, und die Laufzeiten von Krediten sind wieder länger geworden.
  4. Alternativen suchen: Einfach nur zur Hausbank gehen, kann zwar eine naheliegende Lösung sein, aber eventuell lassen sich attraktivere Alternativen finden. Die Finanzierungslandschaft ist durchaus bunter geworden und kann neue Chancen bieten.
  5. Nach innen schauen: Im eigenen Unternehmen warten oft Finanzierungspotenziale, die transparent gemacht und umgesetzt werden müssen. Ein gut gemachter Finanzierungsplan deckt diese Potenziale auf.

Fazit:

Die Finanzierung sollte ein dauerhafter Kernprozess in jedem Unternehmen sein. Anlassbezogene Reaktionen auf plötzlich auftretende Situationen sind Gift bei der Unternehmensfinanzierung. Beachten Sie, dass jede erfolgreiche Finanzierung der Start für die nächste sein sollte. Zumindest sollten Sie einen Finanzplan haben, der Ihnen auf Monats- oder vielleicht sogar auf Wochenbasis ein solides Wissen
über den Stand und die Perspektive Ihrer Finanzierungen gibt.

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Über den Autor

F. Roman Pongrácz

Managing Partner, Wien

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