Wie CEOs mit Benchmarking lernen können über die eigenen Grenzen zu gehen

F. Roman Pongrácz | November 7, 2017

Wettbewerb bedeutet für Unternehmen seine eigenen Leistungen und Fähigkeiten mit anderen zu vergleichen, wobei der Maßstab der Kunde ist. Durch ein strukturiertes Benchmarking, können Unternehmen wesentliche Elemente ihres Geschäftsmodells gezielt auf Verbesserungspotentiale untersuchen, um so Grenzen zu überwinden und im Wettbewerb besser zu sein. Während der Vergleich im direkten Marktumfeld naheliegend, aber eventuell auch besonders herausfordernd ist, bieten sich als Maßstab auch Best-in-Class-Unternehmen an. Ein bekanntes Beispiel ist Southwest Airlines. Die Fluglinie verglich die eigene Performance nicht nur mit ihren Wettbewerbern, sondern analysierte auch den Prozess und die Geschwindigkeit von Automobil Racing Teams auf der Rennstrecke, um die Turnaround Zeit von Flugzeugen am Gate zu verbessern. Das hat dem Unternehmen neue Wege und Potenziale zur Verbesserung aufgezeigt.

Benchmarking ist eine valide Methode um Verbesserungspotentiale im internen Vergleich zwischen Unternehmen oder Standorten eines Konzerns, oder im Vergleich mit direkten Wettbewerbern zu finden. Strategisches Benchmarking bei dem Sie sich mit Best in Class in anderen Branchen vergleichen, kann CEOs neue Richtungen und jene Ideen aufzeigen, die nötig sind, um über die eigenen Grenzen zu gehen.

In diesem Beitrag beschäftigen wir uns damit, wie CEOs Benchmarking gezielt nutzen können, um Veränderungen herbeizuführen.

 

Definition von Benchmarking

Benchmarking ist der kontinuierliche Vergleich von Produkten, Dienstleistungen sowie Prozessen und Methoden mit (mehreren) Unternehmen, um die Leistungslücke zum sog. Klassenbesten (Unternehmen, die Prozesse, Methoden etc. hervorragend beherrschen) systematisch zu schließen. Grundidee ist es, festzustellen, welche Unterschiede bestehen, warum diese Unterschiede bestehen und welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt (Quelle).

 

Warum CEOs Benchmarking nutzen

Manchmal haben CEOs das Gefühl, dass die Märkte und Kunden sich rascher verändern, als das eigene Unternehmen. Inkrementelle Verbesserungen genügen dann nicht, auch will der nötige Quantensprung nicht gelingen; die Widerstände sind groß und es wird von den “Gesetzen der Branche” gesprochen. Ein Weg ist, sich in ausgewählten Feldern einem direkten Vergleich zu stellen oder sogar bewusst in anderen Industrie erfolgreiche Vorbilder zu suchen.  

Benchmarking kann Ihnen daher bei folgenden Herausforderungen helfen:

  • Generieren von neuen Ansätzen, Ideen und Innovationen
  • Erhöhen der Akzeptanz von Veränderungsnotwendigkeiten und Maßnahmen
  • Absichern von Vorsprüngen gegenüber Wettbewerber
  • Widerstände zur Veränderung abzubauen und Scheuklappen zu entfernen
  • Mythen zu hinterfragen und sich und andere im Vergleich zu sehen
  • Transparenz zu schaffen und neue Wege zu entdecken

"Nur wer über die eigenen Grenzen schaut, kann über die eigenen Grenzen gehen!" 

 

Zuerst muss der Scope klar sein

Was bei einem Benchmarking verglichen wird, hängt ganz von Ihren Schwerpunkten ab. Typische Fragestellungen, die uns immer wieder begegneten waren:

  • Welcher Standort ist in welchem Teilprozess am besten?
  • Wo können wir von den anderen Betrieben der Gruppe lernen?
  • Was liegt hinter den besseren Kennzahlen vom anderen Betrieb im Konzern?
  • Wie haben sich unsere Wettbewerber organisiert und wieso?
  • Welche Kostenstruktur haben andere Spieler im Markt?
  • Wie schafft es Unternehmen XY im Vertrieb so erfolgreich zu sein?
  • Nach welchen Prinzipien führt der besonders wachstumsstarke Anbieter sein Unternehmen?

Je nach Fragestellung, Zielsetzung und Unternehmenssituation eignet sich eher ein klassisches Benchmarking - als interner Performance-Vergleich zwischen Standorten oder als einer mit extern recherchierten Kennzahlen oder Systeminformationen als Vergleich mit Wettbewerbern - , oder eben ein bewusster Blick über die Grenzen der eigenen Branche.

Der letztgenannte Ansatz, strategisches Benchmarking, ist eine Steigerung zu den klassischen Kennzahlen-Vergleichen, weil er das “Thinking-out-of the box” systematisch unterstützt. Besonders wenn es darum geht, lange Zeit geltende Annahmen und scheinbar unveränderbare Praxis in Frage zu stellen, ist diese Methodik ein exzellenter Weg außerhalb der althergebrachten Lösungen nach neuen Antworten für ähnliche Herausforderungen oder Fragestellungen zu suchen.

 

Strategisches Benchmarking

Das Beispiel von der Southwest Airlines zeigt: wenn man die eigenen Grenzen überwinden will, muss man die Lösung in anderen Branchen suchen. Auf den ersten Blick hat die Turnaround-Zeit eines Flugzeugs am Boden wenig mit dem Reifenwechsel eines Formel-1-Rennens gemeinsam; wenn man jedoch an die Systeme, Voraussetzungen, Ziele, die Logik im Zusammenwirken und die detaillierte und eingeübte Prozesseffizienz denkt, dann versteht man worin der Mehrwert gelegen ist.

Hier sind einige Erfolgsfaktoren auf die Sie bei dieser Art von Benchmarking achten müssen:

  • Grundvoraussetzung ist Offenheit und die Einstellung bewusst über die Grenzen zu gehen; unterstützend wirken hier eine offene Unternehmenskultur und eine Führung mit Weitblick.
  • Grundlegende Akzeptanz und Umsetzung neuer Ansätze einer Organisation; wenn es zu viel Beharrungsvermögen gibt, können die genialsten Ideen scheitern
  • Sie müssen sich auf relevante und konkrete Fragestellung fokussieren; das Beispiel der Airline zeigt es: Optimierung der Turnaround Zeit.
  • Sie brauchen eine saubere Methode bei der Vorauswahl bzw. Identifikation potentieller Best in Class Partner in fremden Branchen
  • Überlegung des „quid pro quo“; wie können Sie mit einem Partner kooperieren, welches Wissen und welche Fähigkeiten, das Sie erworben haben, sind eventuell für das andere Unternehmen interessant?
  • Und schließlich brauchen Sie einen Prozess für Ansprache, Durchsprache, Vertiefung, Verdichtung und natürlich Transfer des neuen Wissens.

 

Conclusio Benchmarking 

“Wir sind ganz anders”. Das ist das Killerargument, dass uns beim Benchmarking ständig begleitet. Lassen Sie sich nicht beirren. Benchmarking ist eine valide Methode um Ihr Unternehmen vorwärts zu bringen.

CEOs wollen vor allem wissen, wo die größten Potenziale sind und wie diese rasch gehoben werden können. Dazu bietet das klassische Benchmarking mit internen bzw. externen Vergleichen ausreichend Möglichkeit.

Wenn Sie allerdings über Grenzen gehen wollen, dann sollten Sie strategisches Benchmarking mit Best in Class Vergleichen außerhalb Ihrer Branche ins Auge fassen. Gerade, wenn es um neue Geschäftsmodelle und Quantensprünge geht, kann es sich lohnen weit über den Tellerrand zu blicken.

anleitung strategisches benchmarking cta

 

 

Über den Autor

F. Roman Pongrácz

Managing Partner, Wien

Kommentare

10 Ansatzpunkte für ein schlankes Fertigwarenlager